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Die abschließende Theorieveranstaltung nach mehr als dreißigjährigem Bestehen des Atelier für Grundlagen an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bezog sich auf eine der letzten Schriften Albrecht Dürers. Dessen wenig beachtetes sog. "Viertbüchlein" erwies sich hierbei als große Rarität, gelang es doch in dem Seminar mithilfe dieses Textes, die intensive wechselseitige Beziehung von Bildender Kunst und Wissenschaft bei Dürer gründlich zu belegen. Anhand einer Analyse der Abhandlung gelang der Nachweis, dass der Nürnberger Künstler in Fragen der Geometrie bestens bewandert war, ebenso wie die bedeutenden italienischen Kollegen, mit denen er sich in zwei Reise hatte austauschen können.
Die Schrift Industrial Design 06 ist in Auswahl eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der anfangs genannten Theoriearbeit. Sie behandelt drei Beispiele aus den ebenso vielen Oberthemen des Viertbüchleins: den Abschnitt über die Polyeder, insbesondere die platonischen und archimedischen Körper, die Anleitung zur Lösung räumlicher Umformungen, insbesondere des sog. "Delischen Problems" und Dürers Vorschläge zur Kunst der perspektivischen Darstellungsform, insbesondere über die Methoden der seinerzeit gebräuchlichen Zeichenhilfen.
Zum ersten Themenkreis gehörig, erläutert Dominik Lutz die Ergebnisse bei der Erforschung jenes Porträts, auf dem im Jahre 1495 der Renaissance- Maler Jacopo de Barbari den Mönch Luca Pacioli dargestellt hat. Für die Schrift "De divina proportione" dieses bedeutenden Mathematikers und Schülers von Pirro della Francesca hat Leonardo da Vinci die Illustrationsfiguren gezeichnet. Auf dem Porträt Lucas ist ein gläserner Rhombo- kuboktaeder zu sehen, der zu einer intensiven Untersuchung dieses u.a. auch bei Dürer als Netz abgebildeten Körper veranlasst. Besonders hingewiesen werden muss in diesem Zusammenhang auf jene meisterhafte Interpretation des Zahlenspiels auf der Tafel des Luca Pacioli, die Dr. Erhard Cramer, Professor für Statistik und Wirtschaftsmathematik an der RWTH Aachen in diesem Abschnitt gelungen ist.
Im Rahmen des sog. "Delischen Problems" verweist Lambert Rosenbusch auf die entsprechenden Beispiele im Viertbüchlein. Er stellt neben einer geometrischen Analyse mechanisch arbeitende Geräte vor, mit denen man kubische Umformungen durchführen kann. Er widmet sich dabei u.a. insbesondere der Erklärung der von ihm entdeckten cubi ratio, dem "Goldenen Schnitt" des Raumes.
Abschließend erläutert Maximiliane von Dohnanyi eine moderne Zeichenhilfe. In Kenntnis eines historischen Beispiels, zu bewundern auf des Viertbüchleins letzter Grafik, genannt der Zeichner der Laute, hat sie die Dürersche Anleitung gemeinsam mit Bastian Zimmermann in die Gegenwart übertragen. In Würdigung der Quelle nennt sie dieses Gerät nach Autor und Entstehungsjahr der Zeichnung: "Zeichenmaschine AD 1525".