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Das Achte Weltwunder in Wolfenbüttel?
Mit diesen Fragen beginnt Dr. Wolfgang von Wangenheim, Vorsitzender des Winckelmannmuseums in Stendal, das Vorwort zu diesem Heft, das in zwei Beiträgen von der ehemaligen Leibnizrotunde in Wolfenbüttel handelt. Dieses Bauwerk, insbesondere der im Grundriss ovale Lesesaal, den es in seinem Innern beherbergte, gilt trotz seiner Zerstörung gegen Ende des 19.Jh. als Inkunabel der europäischen Architektur nördlich der Alpen.
Für die subtile Eigenart dieses Zentralbaus war kein geringerer verantwortlich als der letzte bedeutende Humanist deutscher Sprache, der Universalgelehrte, Mathematiker, Philosoph und Diplomat Freiherr Gottfried Wilhelm von Leibniz, der in Zusammenarbeit mit Hermann Korb, dem Architekten des Herzog Rudolf August, dieses Bauwerk ersann. Das außergewöhnliche Detail, die ungewöhnlichen Abmessungen und edle Proportionen verliehen der ehemaligen Bibliotheksrotunde jenen herrschaftlichen Glanz, der ihr unter Zeitgenossen die Bezeichnung “Achtes Weltwunder” eintrug. Nicht zuletzt das architektonische Erscheinungsbild war Anlass, dass die Bibliothek zu Wolfenbüttel zu den bedeutendsten geisteswissenschaftlichen Einrichtungen des 18.Jh. zählte.
In Würdigung der Herkunft und im Bewusstsein der Einmaligkeit des Innenraumes machen die Architekten Peter Wilkens und Lambert Rosenbusch den Vorschlag, in einer Neufassung den ehemaligen Lesesaal der Herzog August Bibliothek wieder zum Leben zu erwecken. In zwei Text- und Bildbeiträgen wird der Entwurf des Projektes von Lambert Rosenbusch erläutert und anschließend folgt von Peter Wilkens der Nachweis eines bemerkenswerten inhaltlichen Bezugs der Wolfenbütteler Rotunde zur sog. Biblioteca Alexandrina im Südanbau des Pantheons zu Rom.